Bedeutung des Butlers 2016-12-02T07:13:56+00:00

Bedeutung des Butlers

20161123-hna-rueckkehr-dienerHaushaltsmanager/in der besonderen Art: Butler oder Butleresse

Selbst renommierte Nachschlagewerke erklären den Begriff und den Beruf von Butler oder Butleresse ganz einfach mit „Diener/in in gehobenem Haushalt“. Dieser an sich schon unzureichenden Umschreibung wird gern noch die Behauptung „vor allem in England“ hinzugefügt. Doch sowohl ein Blick auf die Worte selbst als auch auf das dahinterstehende Tätigkeitsfeld und auf die Geschichte des Berufes offenbart etwas ganz anderes…

Vom Fass zur Flasche

Die am weitesten zurückreichenden Wurzeln der Begriffe Butler oder Butleresse finden sich in der Sprache des späten Römischen Reiches. Die hier gebräuchlichen „butticulae“ bezeichneten kleine Fässer oder Krüge, welche zur Aufbewahrung bzw. zum Servieren von Wein dienten. Von dieser Vokabel abgeleitet ist das heute noch aktuelle französische Wort „bouteille“ für „Flasche“. Sein Gebrauch datiert aus dem 17. Jahrhundert – jener Zeit, in der sich Glas als Gebrauchsware durchzusetzen begann und zunehmend auch als Vorratsbehälter für kleinere Mengen Wein zum Einsatz kam.

 

Meat in the pan flamed, restaurant kitchenAus dem Keller in die Küche

Was diese Ausführungen über Vorratshaltung mit der Bezeichnung für eine/n Haushaltsmanager_in zu tun hat, erklärt sich durch das an „bouteille“ angelehnte Wort Bouteillier. Der so bezeichnete Diener eines Hauses war vornehmlich mit der Bestückung und Beaufsichtigung des Weinkellers betraut – und damit ein direkter Nachfolger des bis dato üblichen Mundschenks. Als solcher stand er stets unter der Aufsicht eines / einer ranghöheren Hauswirtschafter_in – welche/r den Bouteillier gelegentlich auch mit Einkäufen und der Bevorratung der Speisekammer beauftragen konnte.

Vom Festland auf die Insel

Das auf diese Weise erweiterte Tätigkeitsfeld französischer Bouteilliers weckte auch in Übersee Interesse. Weil Weintrinken auf den britischen und schottischen Inseln deutlich weniger verbreitet war als auf dem Festland, litten die hier beschäftigten „Flaschenhüter“ an chronischer Unterbeschäftigung. Umso lieber übertrugen englische Adlige ihnen zusätzliche Aufgaben. Damit schufen sie sich nicht nur einen Angestellten nach dem Vorbild des / der französischen Haushaltsmanager_in – sondern gaben ihm auch eine neue Bezeichnung.

Fotolia_92746124_S_copyrightVom Bouteillier zum Butler

Mit dem Übergang in einen anderen Sprachraum änderte sich neben der hauptsächlichen Beschäftigung nämlich gleichzeitig die Phonetik: Das etwas einfacher strukturierte Englisch machte aus dem klangvollen „Bouteillier“ den leichter auszusprechenden „Buteler“. Ein Wort, das die Bewohner der Inseln an frühere Zeiten erinnert haben muss, denn es findet sich bereits im mittelalterlichen Anglonormannisch – wo es zwar keine/n Hauswirtschafter_in bezeichnete, aber immerhin eine Person, die mit der Beaufsichtigung des Kellers und des darin lagernden Weines beauftragt war.

men wear a shirt and cufflinksButlerin, weiblicher Butler oder Butleresse?

Die auf so seltsame Weise miteinander verschlungenen sprachlichen Pfade erklären auch, warum sich für die „Hauswirtschafter/in im gehobenen Haushalt“ der Begriff Butleresse durchgesetzt hat: Er ist eine Reminiszenz an den Ursprung seiner maskulinen Version, denn sowohl französisch als auch anglonormannisch gehören zur Familie der romanischen Sprachen. Mit dem Anhängen der hierfür übliche weiblichen Endung -esse stehen Butler oder Butleresse auf einer Stufe mit dem Duc und der Duchesse – also dem Herzog und der Herzogin, deren Haushaltsmanager/in sie sind. Wenn das mal nicht mehr als ein linguistischer Zufall ist…

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